Freitag, 5. April 2013

Negativfolgen

Per Steinbrück, der Kanzlerkandidat der SPD ist nach Frankreich zu Präsident Hollande gereist. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt, wenn man die Lage der französischen Regierung derzeit zu Grunde legt.

Wirtschaftsminister Rösler (FDP) meinte, diesen Besuch Steinbrücks kommentieren zu müssen.  "Die Folgen sozialistischer Experimente kann man bei unseren Nachbarn leider genau beobachten: Weniger Investitionen, Rückgang des Wachstums und Verwerfungen am Arbeitsmarkt", sagte Rösler. Und damit wollte er wohl sagen, dass Steinbrück besser zu Hause geblieben wäre.

Wie auch immer, der französische Präsident kann Unterstützung derzeit brauchen. Von Merkel ist die wohl eher nicht zu erwarten. Warum auch, sie hat im eigenen Lande genug Probleme zu lösen. Momentan ergeht sich deutsche Politik im Lavieren, ohne jegliches vernünftiges Konzept.

Und gerade das politische Leichtgewicht Rösler sollte sich in der Bewertung des Tuns anderer Politiker zurückhalten. Nicht zuletzt ist es er und sein Ministerium, das für soziale Kälte bei der Bevölkerung sorgt, sozialen Abstieg und Verarmung fördert und nicht in der Lage ist, Deutschlands Wirtschaft wirklich über Wasser zu halten. Und auch hier sind die Arbeitsmarktzahlen, die Rösler allerdings nicht zu verantworten hat, auch nur Augenwischerei.

Donnerstag, 4. April 2013

Überrei(t)zt!

Der Chefredakteur der WAZ gratuliert seinen Redaktionen öffentlich zum Geburtstag des Blattes. Er tut dies in einer Sonderbeilage, die in mehreren 100.000 Ausgaben drinsteckt und im Netz, wo Millionen Interessenten Zugriff haben.
Mit seiner Geschichte, mit deren Thema und dem Inhalt hat sich Ulrich Reitz wohl ein klassisches Eigentor geschossen. Ein Klassenlehrer würde seinen Schülern in einem solchen Fall "Thema verfehlt" bescheinigen.

Der Chef aller WAZ-Redaktionen, deren Mitarbeiter momentan eher mit Kündigungen als mit Lob aus der Chefetage rechnen, möchte seinen Leserinnen und Lesern erklären, wie eine Story entsteht. Eine große Geschichte muss das sein und eine, die vor Vitalität nur so strotzt. Das Blatt wird schließlich 65 und Rentner sind heute auch vital. Und Vergangenheit und Zukunft müssen verbunden werden, sinnvoll versteht sich. Ach ja, ein Nutzen für die Leser, der sollte als Ergebnis am Ende auch vorhanden sein.

Die WAZ ist ein Blatt des Ruhrgebiets, kommt tief aus dem Westen. Was läge da näher, als im Bereich des Bergbaus nach Themen zu suchen. Das Rei(t)z-Thema ist leicht gefunden: Sollen die Redakteure doch einmal herausfinden, welche Häuser und Grundstücke im Revier in welchen Straßen wie gefährdet sind durch den Bergbau der jüngeren Vergangenheit.

In seinem Beitrag an die "lieben Leserinnen und Leser" erklärt der Chef der WAZ viel über "Big Data". "Redakteure können sich die Messdaten aller Flüsse in Nordrhein-Westfalen beschaffen. Sie können es jedenfalls versuchen", schreibt Reitz. Dass die Redaktion im Übrigen klagt, wenn die Behörde die Daten nicht herausrücken will, auch klar: "Wenn die Behörde sagt, uns doch egal, wird sie eben verklagt", verkündet Reitz. Das ist ein Einblick in die Radaktionsarbeit!
Wie er nun an das Thema seiner so interessanten, jeden betreffenden und jedem nutzenden Story gekommen ist, bleibt völlig offen. Die Gedankenschritte dorthin werden nur unzureichend deutlich.

Ich hätte mir zum Beispiel als Thema vorstellen können, warum die RAG nicht mehr für Schäden aufkommen will, die sie in den letzten 100 Jahren im Ruhrgebiet verursacht hat. Warum Hausbesitzer plötzlich kein Geld mehr für Schäden an Ihren Häusern erhalten sollen, die durch Bergschäden entstanden sind. Warum Bergschäden plötzlich keine Bergschäden mehr sind.

Aber dabei müsste die Redaktion ja einem kongenialen Geldvermehrungspartner gegen das Knie treten. Die unangenehmen Fragen würden auf den Chefredakteur und dann auf die Geschäftsleitung zurückfallen. Das passt wohl einigen nicht.

Im gleichen Atemzug werden in der Fußnote zum Artikel ganz offen Vorschläge aus der Redaktion als nicht brauchbar dargestellt. Herr Reitz meint dort, dass man über Facebook wohl auch noch zum 70. Geburtstag schreiben könne. Er verhöhnt seine Untergebenen, wenn er zum  Beispiel das Thema Unabhängigkeit der Redaktion mit einem Wisch in den Papierkorb befördert.

Insgesamt ist das ganze ein ganz schlapper Auftritt des WAZ-Chefredakteurs. Die Redakteure aus den Fachbereichen haben dagegen die restlichen Seiten der Beilage für interessante, dem Anlass angemessenen Geschichten genutzt.